Und nicht jeder findet das gut

Tja, eigentlich würde ich gerne jeden Tag etwas schreiben, denn es geht mir so viel im Kopf herum. Im Moment hat aber der Tag nicht genug Stunden und es bleibt einiges liegen. Dennoch mag ich hier einfach mal ein paar Worte loswerden...:

 

Seit Erstellung dieser Webseite haben uns verschiedene Feedbacks erreicht. Die einen sind positiv, frei nach dem Motto: Toll dass ihr das macht, Respekt!

Nein, Respekt haben wir uns nach meiner Einschätzung nicht verdient, denn sich einzusetzen und hinzuschauen ist selbstverständlich.

Jeder von uns tut ja etwas: Dem Nachbarn helfen, für den Verein Kuchen backen, sich in der Freiwilligen Feuerwehr engagieren, einen Plausch mit dem Straßenkünstler halten, oder oder oder. Keine Ahnung, aber das ist mein Menschenbild.

Jeder tut, was er kann.

Und wir eben auch. Wir machen mal dies, mal das, im Moment sind es die Kitten und ich sage euch, es waren noch nie so viele. Und für alle suchen wir ein Zuhause! und zwar ein gutes Zuhause für immer!

Das ist nicht einfach!

Jedes Tier braucht etwas anderes, ein anderes Zuhause, andere Bedingungen, andere Familien, andere Voraussetzungen, aber alle brauchen Sicherheit, liebe Menschen und eine Chance!

 

Und dann gibt es noch die anderen Menschen: Warum macht ihr das? Warum macht ihr nicht lieber das oder das, DAS wäre aber viel wichtiger, das ist doch kein Tierschutz und so weiter. Der Knaller war: Eine gute, anständige deutsche Familie macht das nicht.

Gut, dann habe ich eben keine gute, anständige deutsche Familie. Sorry, aber das sind keine Gründe für mich und uns, damit aufzuhören.

Und ja: Es gibt so viel zu tun auf der Welt, überall und alles ist wichtig. Es ist wichtig sich politisch zu engagieren, es ist wichtig sich fürs Klima einzusetzen, es ist wichtig, sich um die Kastration von wilden Katzen zu kümmern und es ist auch wichtig, sich um die Kleinsten zu kümmern. Und ganz ehrlich: Alles schaffe ich wahrscheinlich nicht. Aber ich kann anfangen. Ich kann versuchen, ein ganz ganz kleines bisschen Einfluss zu nehmen.

Ich kann genau so gut auf dem Sofa sitzen und mich beschweren. Ich kann anfangen, alles miteinander zu vergleichen und aufzuwiegen. Ich kann Studien schreiben, was nun getan werden soll. Ich kann mir lange überlegen, ob ich nun bei Huhn oder Henne anfangen soll. Ich kann meine Beine hochlegen und andere machen lassen.

Oder, ich fange einfach an.

Und das habe ich, haben wir getan.

Wir haben 2015 einfach angefangen. Einfach so. Einfach nur, weil es uns richtig erschien, so kleinen Wesen eine Chance zu geben.

Einfach nur, weil auch sie es wert sind.

Einfach nur, weil sie leben und noch viele Jahre die Chance dazu bekommen sollen.

Einfach, weil wir die Möglichkeit dazu hatten.

 

Und ja: Natürlich ist das ein viel viel weiteres Feld. Es muss über Tierschutzbestimmungen und artgerechte Haltung gesprochen werden. Es muss langfristig etwas zum Wohle der Tiere passieren. Es muss weitergedacht werden, es muss in vielen Bereichen nachhaltig gehandelt werden. 

Das hilft den Babys, die jetzt grad da sind nicht. Vielleicht der Über-Über-Über....nächsten Generation und das ist auch gut so.

Ist momentan nicht unsere Baustelle. Geht nicht. Können wir nicht gleichzeitig leisten. Ist deswegen aber nicht weniger wichtig, sich dafür einzusetzen und das in Gang zu bringen. Unsere Arbeit ist aber auch nicht weniger wichtig.

Wir sind für den Akutfall da, mehr geht grad nicht.

 

So wie für Jace, Magnus, Clary und Alec (Danke an S. für die Namenspatenschaft, ich hab immer noch Probleme damit). 

Telefon klingelt, er: Ich hab n Problem, 5 Kitten, Mama weg, kann ich nicht.

Wir: Ok

Er: Ok, rufe später gegen 19h nochmal an.

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Eine Woche später, Telefon klingelt

Er: Jetzt sind es nur noch vier. Holen Sie sie spätestens morgen oder soll ich sie in die Tonne tun?

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So, verstanden?

Selbstverständlich ist dieser Mann ... ich finde keine Worte aber um ihn geht es auch nicht.

Wir haben erfahren, dass die vier ganze fünf Wochen ausschließlich in einer Transportbox gelebt haben, eine haarsträubende Geschichte, wann die Mutterkatze wie möglicherweise das Haus verlassen hat und nicht wiedergekommen ist. Und noch ne Menge anderer Geschichten. Fakt ist: Es war ganz ganz knapp für die vier und für ein Baby schon zu spät.

Sie sind nur zwei Mal am Tag gefüttert worden, haben sich vor Hunger gegenseitig angenuckelt, Entzündungen im Körper, haben gestunken und es war ein erbärmliches Bild. So kleine Wesen, so schlechte Bedingungen, so ein missratener Start ins Leben.

 

Nun kämpfen wir mit der Tierärztin FÜR ihr Leben, für die Erhaltung von Magnus Bein und dass Alecs Zyste im Bauch nicht aufplatzt und endlich beginnt, sich zurückzubilden.

 

Hätten wir nicht handeln sollen, obwohl wir es gekonnt haben?

 

Es hat uns das erste Mal so richtig heftig an unsere finanziellen Außengrenzen gebracht, aber so richtig. An der finanziellen Grenze sind wir immer, oft auch drüber (Danke liebe Bank für dein Verständnis) aber das hier, das war der Hammer.

Alleine die Notbehandlung von Magnus hat 1/3 meines Monatgehaltes verschluckt (Ja, ich hab n Job und mache dies alles "nur nebenbei"). Heftig. Kurz vor dem Aufgeben. 

Und dann haben wir jemanden kennenlernen können, der uns emotional so unterstützt hat, dass wir aus dem Schock wieder in Bewegung gekommen sind und haben die Spendenaktion bei betterplace (siehe Button "Spenden bei Betterplace") eingerichtet. Und wir haben Spenden bekommen für die Behandlung der Kitten.

Und das hat dafür gesorgt, dass wir weitermachen können.

Das sorgt dafür, dass es einen Sinn macht, was wir tun, neben all den Drohungen, Anfeindungen und Übergriffen. Und das ist auch der Grund, warum unser Nachname nicht zu finden ist... Aber dazu ein anderes Mal mehr.

 

Alle vier (und die anderen natürlich auch) haben es sooooo sooooo sooooo sehr verdient, eine Chance zu bekommen, so sehr. Sie sind so verdammt liebenswert, so niedlich, uns Menschen so zugetan, sie brauchen ein gutes Zuhause und haben nun eine reelle Chance, das vielleicht zu erleben.

 

Und das ist was Wert! Und darum machen wir das und lassen uns auch nicht von Trollen, Anfeindungen und Drohungen einschüchtern. Wir finden für sie ein Für-Immer-Zuhause und sind dankbar, wenn Sie von uns erzählen.

 

Mehr bald.

Lovis