Diverses

Eigentlich wollte ich heute darüber schreiben, weshalb es gut ist, auch Kitten ins Tierheim zu bringen und von der kompetenten Versorgung und den vielen möglich gemachten medizinischen Untersuchungen, die dort erfolgen können, aber der Text geht mir heute nicht richtig von der Hand, der folgt ein anderes Mal.

 

Im Moment freue ich mich so sehr über die Entwicklungen unserer einzelnen Schützlinge, dass es mir manchmal wie ein kleines Wunder vorkommt. Noch vor kurzer Zeit lag der kleine Jace unterernährt in meiner Hand, ganze drei Tage lang. Er war zu schwach um zu trinken, zu schwach um sich zu wehren, zu schwach zum Leben. Eigentlich war er mehr tot als lebendig, ich hatte schon Abschied genommen. Ich hab mich schon bei ihm bedankt für die Zeit bei uns und hab ihm schon gesagt, er könne loslassen und ich würde bei ihm bleiben.

Er hatte keine Schmerzen, der Tierarzt konnte auch nicht sagen, was Jace hat. Manchmal sterben sie einfach. Einfach so.

Alle halbe Stunde hab ich ihm tröpfchenweise Vitamine, Flüssigkeit und Glukose gegeben, tagelang.

Und nach langen drei Tagen wird sein Blick langsam klar. Er kann die Augen wieder zumachen, die Schleimhaut bekommt langsam Farbe, er lässt Urin.

Nach einem weiteren halben Tag trinkt er wieder Milch, nach einem weiteren halben spielt er mit seinen Geschwistern.

Und dann: Dann isst er selbstständig, macht einen enormen Sprung in seiner Entwicklung, geht auf die Katzentoilette, erkundet den Kratzbaum und macht Dummheiten. Wie ein ganz normales kleines Katzenkind.

 

Magnus, bei dem am Anfang noch eine Amputation im Raum stand: Auch seine schlimme Zeit ist (toitoitoi) vorbei und abgesehen davon, dass sich die Haut an der Pfote noch zurück entwickeln muss, ist auch er inzwischen ein ganz normaler kleiner Kater.

Ich hab mal ein Bild zusammengestellt, Magnus bei Ankunft, Magnus jetzt.

Schaut euch nur mal diese Augen an, ist das nicht ein kleines Wunder? Auf einmal ist da Leben drin, auf einmal wirkt er nicht mehr grummelig, schmerzgeplagt, abweisend. Auf einmal wirkt er zufrieden, freundlich, da ist jetzt etwas in seinen Augen.

 

Ich hadere oft mit mir, ob das hier alles so richtig ist, ob das nicht vielleicht doch "Arbeit für Profis" ist...

Bei den Shadowhunters kann ich sagen: Diese Wesen wären nie nie nie im Tierheim gelandet. Nie hätte sie dort jemand abgegeben, da half wirklich nur diese geringe Hemmschwelle: Wir machen das privat, wir sind keine Einrichtung.

Besonders finanziell war dies echt für uns eine Herausforderung.

Aber auch hier ist uns etwas ganz unglaubliches passiert:

Menschen, die wir gar nicht kennen, fremde Menschen, haben uns geholfen, die Tierarztkosten zu decken und haben für unsere Betterplace-Aktion gespendet.

Bei all den blöden Sachen in der Welt kann ich sagen: Meine kleine Welt ist grade sehr gefüllt mit Vertrauen in die Menschlichkeit.

Was hat Sie, hat euch bewogen, uns so herzensgut zu unterstützen?

Wo haben Sie, habt ihr dieses Selbstverständnis her, euch so zu engagieren und euch so mit uns gemeinsam für diese kleinen Lebewesen einzusetzen?

Wie kommt das?

Ernsthaft, hier würde ich mich sehr über Kommentare freuen, denn ich bin so so so gerührt und es fällt mir wirklich schwer zu fassen und zu begreifen.

Normalerweise sind wir die, die helfen, von Herzen gerne, still und leise. Meinen letzten 5er in der Geldbörse bekommt immer jemand, der sonst oft übersehen wird: Der Straßenverkäufer der Obdachlosenzeitung, die leisen Flaschensammler, der Herr, der an der Kasse nicht genug Geld hat, jemand der kämpft aber nichts sagt, das Kind am Eiswagen, das es sich nicht leisten kann oder oder oder

Ich mache das selbstverständlich, gerne und ohne dafür etwas zu erwarten!

Und nun sind wir selbst betroffen gewesen und Sie haben, ihr habt uns getragen und aufgefangen.

Es ist unglaublich und so schön!

Ich bin voller Dankbarkeit, dass ich all diese kleinen, zarten Lebewesen heranwachsen sehen kann und dass es mir und uns dadurch möglich gemacht wurde.

So, heute Abend spielen meine Hormone wohl verrückt und ich schließe lieber, bevor ich ganz gefühlsduselig bin...

 

Coronagerechter, virtueller Drücker an alle, die sich gedrückt fühlen möchten,

Lovis

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Rotz_Goere (Sonntag, 09 August 2020 21:36)

    Was ein toller Blogbeitrag ! Ich hatte und habe schon immer eine besondere Verbindung zu Tieren, sie fanden mich immer und ich konnte spüren dass sie mehr sind als "nur" Tiere. Dein/Euer Einsatz für diese kleinen, so hilflosen Wesen hat mich so unglaublich beeindruckt und mir gezeigt dass ihr das Herz am rechten Fleck habt. ❤
    Da ich euch momentan leider finanziell nicht unterstützen kann, helfe ich anderweitig sofern ich kann ( ich denke, du weisst was ich meine � ) denn wo Hilfe benötigt wird, wo Menschen wie ihr es seid die "Mehrarbeit" auf sich nehmen um ein kleines bisschen Gutes in dieser heut zu Tage so chaotischen und schrecklichen Welt , zu leisten... dort sollte auch Unterstützung nicht fehlen. Ihr zeigt mir immer wieder, dass es auch noch gute Menschen gibt die selbstlos handeln. Ihr seid das kleine Licht in dieser oft so dunklen Welt, lasst euch das niemals nehmen !

  • #2

    Yaiggs (Sonntag, 09 August 2020 21:38)

    selber habe ich nicht die kraft, so etwas zu tun. grad wenn man nicht mehr weiter weiss.
    aber ich kann ab und zu etwas geld abzwacken.

  • #3

    MisstoBee (Sonntag, 09 August 2020 21:44)

    Ich bin glaube ich einfach wie du oder bin es geworden. Ich habe vor über einem Jahr Menschen im Libanon kennengelernt. Mich über den mittleren Osten informiert und dadurch sind mir die Augen geöffnet worden. Geöffnet worden wie privilegiert wir es hier haben und wie sehr viele Menschen leiden. Und bei Tieren ist es dasselbe. Ich kann es nicht mitansehen wenn ein Tier leiden muss. So wie du mit Leidenschaft und aus tiefster Überzeugung handelst, so mache ich es auch. Leise aber mit viel Herzblut (ja und mein Herz blutet eigentlich seit über einem Jahr immer wenn ich so viele harte Schicksale kennengelernt habe) versuche ich möglichst überall und jedem in Not zu helfen. Zu spüren und zu sehen wie man einem Menschen ein Lächeln auf das Gesicht zaubern kann, ist mehr Belohnung als alles andere. Und bei deinen kleinen Kätzchen dasselbe. Wenn ich sehe, wie toll sie sich entwickeln und es sich lohnt dir zu helfen, dann macht mich das selbst ein bisschen glücklich. Und ich spüre deine Liebe, dein Engagement, dein Herzblut so sehr, da muss ich einfach mithelfen. Auch wenn es nur mit einer Spende ist <3

    Bitte bleib wie du bist, du bist was ganz besonderes (und natürlich auch deine Familie!).